MUCKEPOST #1: Skrrrrr, pop, pop!

Da macht man, da tut man, lässt alles und jeden zu Wort kommen, lobt selbst Helene Fischer über den grünen Klee und dann, mit einem Satz ist alles hin: “Ihr seid’s schon ein Rap-Podcast, oder?” So eiskalt-naiv rasiert wurden wir von Ron Foto in Muckefuck #3. Nein, sind’s wir nicht!

Wir legen deshalb ein hohes und heiliges Sprechgesang-Fasten ein. Was eine echte Herausforderung werden wird. Denn Deutschrap ist überall. In den Charts sowieso, aber inzwischen eben auch in der Lehrerzimmer-Lektüre. Einigermaßen naheliegend kommt es noch vor, wenn Zugezogen Maskulin vom “Neuen Deutschland” ausgefragt wird (beide strukturdepressiv). Ebenso, dass das “Zeit Magazin” den inzwischen burgerbratenden Samy Deluxe in Erinnerungen wendet [PAID] (beide Hamburger Wurzeln). Aber dann liest man, wie auch noch die Mutter-„Zeit“ die glorreichen Rap-Rotzlöffel Celo & Abdi großflächig plakatiert, und man fragt sich: Hat Giovanni di Lorenzo etwa eine Wette verloren gegen Falk Schacht?

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Lil’ Giovanni: Der erste tighte Chefredakteur?

Das Ankommen in der gesellschaftlichen Mitte hat auch seine Schattenseite. Wer wüsste das besser als Deutschrap? Kay One gab zum ersten Mal den Jury-Otto, da hatte Sido längst seine “Große Chance” als Skandal-Rapper-Darsteller hinter sich. Zivilisationslahme werden wieder zu ARGE-Gehenden gecoacht von Curse, der trotzdem nicht so viel Style hat wie Sidos „Kleiner in der Einfahrt auf‘m Dreirad“. Eko Fresh heulsust sich rein in die 87 Prozent, da war Astronaut Sido dem irdischen Jammertal längst entschwebt. Ja, immer wieder Sido.

Man wünschte sich, jeder Musiker würde würdig alt wie Rammstein. Seit drei Tagen können wir in Artes Mediathek “Rammstein: Paris” für lau gucken, Jonas Åkerlunds Konzert-Film über zwei Abende im März 2012, und da lesen wir (analog und unverlinkbar in der “FAS”), dass Keyboarder Flake sein drittes Buch geschrieben hat, während wiederum Head of Flammenwerfer Till Lindemann einen Fotoband rausgibt über drei Wochen Kajakfahren auf dem Yukon. Das hat er nämlich gemacht mit seinem guten Kumpel Joey Kelly. Wie, DIE sind dicke Kumpels? Ja, war uns auch neu.

So lässig im Rummel rumzustehen schafft Rammstein wohl auch, weil sie erstens schon ein ganzes realsozialistisches Land hinter sich hatten und zweitens nicht mehr ganz blutjung waren, als der Hype so richtig hypte. Was der Rummel mit uns so macht, werden wir sehen, wenn es so weit ist. Mit einem Rap-Podcast könnte‘s klappen.

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AUF DIE OHREN

Ocean Wisdom, Wunderkind aus Brighton, hat nach anderthalb Jahren schöpferischer Pause, eine neue Single veröffentlicht und dazu ein Video gemacht, das so absurd ist wie das, was er mit der Stimme kann.

AUF DEN MÜLL

In jeder Muckefuck-Episode ziehen wir Alben, die wir zu hören haben. Das Glück war diesmal eine Hure und hat Justin “Im Augen des Sturms” von Santiano zugelost (immerhin Nummer zwei der deutschen Album-Charts). Nett von den Piraten-Rockern, dass sie ein neun (!) Minuten langes Video produziert haben. Das kann jeder gucken, der weder Tod noch Teufel fürchtet – und der Justin muss da nicht alleine durch.

SCREEN OF DEATH

Hier zeigen wir ungeschönt, was wir zuletzt gehört haben. Diesmal: der Laux.

“Nix mit Rap-Fasten. Meine Sprechgesang-Liste hat Nicht-Gangster-Zuwachs bekommen. Kobito ist da reingerutscht, Maeckes auch, Audio88 und Yassin mal wieder. ‘Motor Sport’ höre ich am Tag wahrscheinlich so oft wie die 14-jährige Tochter der Nachbarn ‘Was Du Liebe nennst’. Ich bin nur froh, dass Helene Fischer zwei Plätze zu tief stand für den Screenshot.”

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BONUS-FACTS

>>> Das beste Meme seit Nickleback hat’s getan: Big Shaq hat sein erstes Video ins Internet getingt. Du fragst Dich, wer ist das überhaupt? Oder warum Shaquille O’Neal bei Jimmy Fallon zu “Mans Not Hot” einläuft und deine Kollegen sich seit Neuestem mit “Skrrrrr, pop, pop, pop!” begrüßen? Hier ist die Antwort.

>>> Ist doch schnell gemacht: Der niederländische Produzent Colin Benders drückt live Knöppe “Against The Clock” und macht uns schwitzen beim Zugucken.

>>> Nach Chuck Berry ist mit Fats Domino in diesem Jahr der zweite Rock ’n’ Roll-Veteran gestorben. Für die einen war er “Ur-Pop-Star”, für die anderen “Often Overlooked”. Geht wahrscheinlich beides.

>>> Da hört ein Mann zum ersten Mal “Rage Against the Machine”, stellt ein Video davon auf YouTube – und das Internet schmilzt. Warum schauen sich das eine Million Menschen an? Weil das First-Reaction-Video beweist, was für ein krass-gutes Album das ist.

>>> Eric Andre lieben wir ja sehr: für seine leisetreterische Art vor allem, aber auch für seine Geschmacks- und Stilsicherheit. Rapperin Cardi B. geht’s bestimmt genauso.

>>> Die Debatte über Sexismus ist im Rap angekommen. Der ist per se nicht nur Sexismus-verdächtig, sondern oft genug -schuldig. Dass Macho-Allüren das eine, Vergewaltigungskauderwelsch etwas ganz anderes ist, darf eigentlich vorausgesetzt werden. Aber dann auch wieder nicht. Also nicht die Augen verdrehen, Hurensöhne! Besser machen.

>>> Punk ist nicht tot. Punks Mama allerdings schon.

ZWÖLF-ACHTEL-FAKT

Die Frau von Wilfried Gliem, einer der beiden Wildecker Herzbuben, ist die Großcousine von Hollywood-Schauspieler Bruce Willis.

MUCKER-KASTEN +++ Heißt Du Bruce Willis und bist gar nicht der Schwipp-Cousin vom Herzbuben? Dann schreib uns: kontakt@muckefuckpodcast.de +++ Die nächste Muckefuck-Episode erscheint am 1. November +++ Uns gibt’s auch bei Facebook, Twitter und Instagram. +++ Wenn Dir gefällt, was Du gelesen hast, abonnier die Muckepost! +++

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