MUCKEPOST #2: I bims, d1 Newsletter!

Schon die alten Mucker wussten: Streaming-Dienste sind der “Ein-Euro-Shop der Musik”. Von großer Kunst bleibt nur ein kleiner Groschen übrig. Das neue Album von Taylor Swift ist deshalb nicht auf Spotify und Konsorten zu hören. Schließlich hat auch das verpuppte Country-Mädchen laufende Kosten. Swift will mit der Streaming-Abstinenz allerdings keinem Ideal Gehör verschaffen (Kunst, Wertschätzung, bla). Ihr Antrieb ist ein berüchtigt-gruseliger Geschäftssinn. Der hat ihr verraten, dass sie von Streaming sehr gut leben könnte, von mit ohne Streaming aber noch viel besser. Also gründet sie ein soziales Netzwerk, schließt einen Liefer-Deal mit UPS, und die Tickets für ihre USA-Tour werden bevorzugt an Fans vergeben, die im Swift-Shop Dollars gelassen haben für Schnickschnack.

Du magst einwenden, es sei wahrlich nicht neu, dass Taylor Swift Musik macht und eben auch verkauft wie eine Heuschrecke. Aber dass die wesentlichen Teile des findigen Vertriebsmodells nicht einmal neu, sondern ziemlich abgehangen sind? Also. Da wäre zum einen das Artwork der neuen Platte. Diese karolingische Pseudo-Minuskel, in der “Reputation” gehalten ist, prangt seit Langem auf allem, was schick sein will. Wobei natürlich Fler, also Prinz Pi, wieder mal der Allererste war. Ach, nee.

Muckepost
Schick, Anno Domini 2017

Das volksverdummende Marketing hat sich die Swift vielleicht vom Langenscheidt-Verlag abgeguckt. Der hält uns schon seit 2008 einmal im Jahr ein Stöckchen hin, und alle springen drüber. Das Stöckchen heißt: Jugendwort des Jahres. In diesem Jahr ist es “I bims” geworden, und das Schlauste, was dazu überhaupt noch zu sagen ist, stammt von Hustensaft Jüngling. Auch das sagt 1 Menge.

Bono eröffnet einen Supermarkt in Litauen, Xatar macht das eine Label dicht und ein anderes auf (so mit Share und so), und während wir noch nicht mal das zu Ende verstanden haben, bastelt einer an einer Kryptowährung, damit wir in Bands investieren können. Setzte sich das durch, würden wir Musik radikal anders hören. Denn selbstverständlich wollen wir unser sauerverdientes Geld auf das nächste Coldplay setzen, nicht auf irgendeinen dahergelaufenen Kassengift-Jazzer. Das bombt uns musikalisch vielleicht in die Steinzeit, bringt aber auf jeden Fall ordentlich Schotter.

AUF DIE OHREN

Der DJ und Produzent Flying Lotus treibt sich inzwischen auch cineastisch rum. Sein experimenteller Endzeit-Horror-Film “Kuso” stieß allerdings – gelinde gesagt – auf verhaltenes Echo. Sei’s drum. Direkt aus dem Film stammt auch der Song “Post Requisite”. Mit dem zeigt FlyLo, was er offensichtlich am besten kann.

AUF DEN MÜLL

Erinnerst Du Dich noch an “Somebody that I used to know”? Ok. Und an das YouTube-Cover dieser kanadischen Indie-Combo Walk off the Earth, die zu fünft eine Gitarre begrabbeln? Sie habens wieder getan. Diesmal musste “Hey ya!” dran glauben.

BONUS-FACTS

>>> Gerade ist Morriseys neues Album “Low in High School” rausgekommen. Aus dem Anlass sei nochmal erinnert, Morrissey, das schreibt sich mit Mimimi und WTF.

>>> Bei der ganzen Netflixerei vergessen wir manchmal, dass auch das alte Fernsehen helle Momente hat. Der jüngste Auftritt von Trettmann beim Neo Magazin Royale war so einer.

>>> Dass Justin Bieber bevorzugt von Psychopathen gehört wird, leuchtet ein. Dass Macklemore ein Porträt von JB benutzt, um seinen Orgasmus hinauszuzögern, auch.

>>> Darüber sprach die Musik-Welt bereits ausführlich (und auch wir in Muckefuck #5). Aber das von Mark Forster nachträglich verhinderte Interview mit “Planet Interview” ist jede Erwähnung wert. Autor Jakob Buhre hat in seinem Stück die Fragen dokumentiert, die zu Forsters Rückzieher geführt haben. Das grimmige Heulsusen des Autors (“Im Anschluss an das Interview bat ich Mark außerdem, mit mir über die Autorisierung direkt zu kommunizieren. Beides war vergeblich.”) ist nicht so dolle zu lesen. Mit welcher Akribie er das Tun der immer gleichen Songschreiber in Deutschland nachgepuzzelt hat, aber schon.

>>> Harte Zeiten für Kuschelrock: Jennifer Rostock legen eine Pause ein und Jupiter Jones lösen sich gleich ganz auf. Aber gut, den Bundesvision Song Contest gibt’s eh nicht mehr.

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>>> Nick Cave hat am Sonntag und am Montag Konzerte in Israel gespielt, was eigentlich keiner Rede wert wäre, wären da nicht immergleich dumme Menschen, die ihn aufgefordert hatten, Israel musikalisch zu boykottieren. Die Dummen sind nicht irgendwer, sondern allen voran Pink-Floyd-Bassist Roger Waters.

>>> Während Deutschland noch “I bims” googelt, zerbrechen sich Jeopardy-Kandidaten längst über “lit” den Kopf.

>>> Cro legt endlich seine Maske ab! Vielleicht, irgendwann. Mal sehen.

>>> Die N-Word-Debatte ist vorbei (wobei wir nie verstanden haben, warum es sie überhaupt gab). Auch der tighteste Wei$$e muss nach der Erklärung von Ta-Nehisi Coates einsehen, dass er “Nigga” gefälligst nicht in den Mund nimmt – egal wie hip-hop er auch ist. Ice Cube hatte das schon mal ähnlich gut erklärt: Das Wort gehört jetzt den Schwarzen. Und sie geben’s nicht mehr her.

>>> Manchmal wünschten wir, wir würden bei einer Lokalzeitung arbeiten. Dann könnten wir nämlich Sätze wie diese schreiben: “Der Erfolg der Band Kraftklub ist nicht auf Sand gebaut. Wohl aber die Leipziger Arena, in der die Fünf aus Chemnitz vor 12.000 Zuschauern auftraten.” Und so kam es, dass die Nachbarn reihenweise Erdbeben meldeten.

PIXEL-HIT

Pauli-The-PSM
Pauli the PSM (Gorillaz) aus: “THE DRUM THING” von Deirdre O’Callaghan

ZWÖLF-ACHTEL-FAKT

Bausa (“Was Du Liebe nennst”), Camouflage (“The Great Commandment”) und Pur (“Leeena”) haben eines gemeinsam: Sie kommen alle aus Bietigheim-Bissingen.

MUCKER-KASTEN

+++ Schuldet Bono Dir noch Geld? Dann schreib uns: kontakt@muckefuckpodcast.de +++ Die nächste Muckefuck-Episode erscheint am 28. November +++ Uns gibt’s auch bei Facebook, Twitter und Instagram. +++ Wenn Dir gefällt, was Du gelesen hast, abonnier die Muckepost! +++

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